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Tabby oder nicht tabby ?
Ich erinnere mich an eine Geschichte einer rot gestromten
Perserkatze. Eine wahre Begebenheit, und nicht erfunden.
Ein neuer Aussteller stellte seine rote Perserkatze voller Stolz
das erste Mal aus, und zwar als klassisch rot gestromt = blotched
tabby. Im Volksmund auch als Rädermuster bezeichnet.
Am ersten Tag erhielt die Katze auch ihr CAC, also den "1. Punkt"
für den Championtitel, wenn auch im Richterbericht geschrieben
stand, dass die Zeichnung etwas diffus (undeutlich, verschwommen)
ist.
Am zweiten Tag erlebte der Aussteller eine böse, völlig unerwartete
Überraschung. Denn seine Perserkatze war plötzlich nicht mehr tabby
blotched, sondern wurde von einem namhaften Allbreed-Richter
(Richter für alle Rassen) auf "getigert" umgeschrieben und erhielt
somit kein CAC.
Der Aussteller ließ es sich nicht verdrießen und stellte seine
Perserkatze wieder aus. Und es sollte sich dieselbe Geschichte
nochmals wiederholen.
Am ersten Tag erhielt die Katze von demselben Richter, welcher der
Katze bereits ein CAC als tabby blotched gegeben hatte, nun das CAC
für tabby getigert.
Und am zweiten Tag wieder eine böse Überraschung, völlig unerwartet
wurde die Perserkatze nun als tabby spotted (getupft) umgeschrieben
und erhielt natürlich kein CAC.
Der Aussteller war zwar schon genervt, doch er gab nicht auf,
sondern stellte seine Katze wieder aus.
Und - Sie ahnen es schon - dieselbe Geschichte wiederholte sich. Am
ersten Tag erhielt die Katze das CAC als getupft. Doch bis zum
zweiten Tag hatte die Katze überraschender Weise wieder das Muster
geändert. Sie wurde nämlich als red self umgeschrieben, und zwar mit
der Bemerkung, dass die Katze eine ausgeprägte Geisterzeichnung
habe. Natürlich erhielt die Katze am zweiten Tag kein CAC.
Nun stand der Aussteller vor einem Rätsel. Seine Katze hatte nun 3
CAC, jedoch für 3 verschiedene Muster.
Und mit 3 CAC ist die Katze doch ein Champion?!
Es gibt Farben, bei denen es nicht so einfach ist zu sehen, ob
die Katze eine Tabby-Katze ist oder nicht. Erschwert wird das
noch, wenn die Katze langhaarig ist, oder wenn sie mit Weiß ist,
oder wenn sie Siam-Abzeichen hat (also mit Points ist), oder wenn
sie gar ein gewelltes Fell hat (also eine Rexkatze ist).

Geisterzeichnung oder Tabby-Zeichnung?

Das ist eines meiner chocolate schildpatt Jungtiere.
Aber die Katze ist doch eindeutig getigert!
Eben nicht!
WARUM NICHT?
Sehen Sie die Katze genau an:
Sehen Sie auch schokoladefarbene Streifen?
Nein, Sie sehen nur rote Tigerstreifen. Und das nennt man
Geisterzeichnung, also eine Zeichnung, welche sehr deutlich sein
kann, die jedoch mit zunehmendem Alter verschwinden wird.
Eine echte chocolate getigerte Katze hat rote und schokoladefarbene
Tigerstreifen, oder auch Streifen, welche aus beiden Farben
bestehen.
Sehr oft werden schildpattfarbene Katzen irrtümlich als
schildpatt tabby (tortie tabby) registriert und auch so ausgestellt,
welche in Wirklichkeit nur Schildpatt-Katzen mit einer ausgeprägten
Geisterzeichnung sind.
Wenn der Aussteller nicht schnell genug alle Titel mit seiner Katze
erringt, so lange diese Geisterzeichnung noch so deutlich zu sehen
ist, dann wird die Erfolgsserie irgendwann ein jähes Ende haben.
Eine solche Geisterzeichnung finden Sie meistens bei Katzen mit Rot
oder Creme, und dann ist die Zeichnung (das Muster) nur in genau
diesen roten/cremefarbenen Farbanteilen vorhanden.
ALSO:
Ein Tabby-Muster muss in allen Farbanteilen zu sehen sein.
Das heißt, Schildpatt von Schildpatt tabby auseinander zu kennen,
ist doch ganz einfach. 
Woran erkennt man eine Tabby-Katze?
Die Bilder wurden aufgenommen, als die Kätzchen gerade dabei
waren, die Augen zu öffnen.
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| Links: Kopf einer Tabby-Katze |
Rechts: Kopf einer non-tabby Katze. |
| Beide Katzen haben die Farbe Chocolate. |
Rand der Ohren
Bei Tabby-Katzen ist der Ohrrand fast weiß - immer!, bei non-tabby
Katzen nicht.
Am besten sehen Sie das, wenn Sie von hinten auf die Ohren sehen.
Brille rund um die Augen
Tabby-Katzen sehen aus, als hätten sie eine (fast) weiße Brille
auf.
Umrandung des Nasenspiegels
Der Nasenspiegel ist bei Tabby-Katzen in der dunkleren Farbe des
Musters umrandet.
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| Gucken Sie hier auf den dunklen oberen Rand des
Nasenspiegels, welcher sehr deutlich zu sehen ist. |
Sehen Sie hier einen dunklen oberen Rand am
Nasenspiegel? |
Punktiertes Schnurrbartkissen
Wo die Schnurrhaare aus der Haut heraus kommen, sehen Sie bei
einer Tabby-Katze dunkle Punkte.
Das Schnurrbartkissen ist auch meistens fast weiß, zumindest sehr
hell.
Das können Sie auch bei Katzen mit Siam-Abzeichen bereits bei den
Neugeborenen beobachten, dass das Schnurrbartkissen deutlich von der
Farbe des übrigen Gesichtes heraus sticht und Sie förmlich blendet,
obwohl die Katzen mit Tabby-Points noch überhaupt keine Points
haben.
Und all die anderen Tabby-Merkmale?
Was ist mit dem "M" auf der Stirn?
Was ist mit den Spiralen auf den Wangen = Streifen, welche vom
äußeren Augenrand über die Wangen gehen?
Vergessen Sie diese Zeichnung, denn Katzen mit Rot/Creme, oder
rote/cremefarbene Katzen haben meist ein "M" auf der Stirn und diese
Spiralen auf der Wange.
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Sehen Sie das "M" auf der Stirne?
Sehen Sie den dunklen Streifen, der vom äußeren Augenwinkel
über die Wange läuft? |
Und hier sehen Sie genau dieselbe Zeichnung. Das "M"
besitzt sogar die zwei Farben des Fells: chocolate und rot.
Und auf der Wange ist ein roter Streifen (=Spirale).
Und trotzdem ist diese Katze keine chocolate tortie tabby
Katze, sondern nur eine chocolate tortie Katze. |

Wie ist es möglich, dass rotfarbene Katzen so oft umgeschrieben
werden?
Kommen wir nochmals auf die Geschichte der roten Perserkatze
zurück.
Katzen werden so gerichtet, wie sie aussehen, und nicht was sie
genetisch sein mögen.
Und trotzdem bleibt hier ein sehr bitterer Beigeschmack zurück,
sonst könnte die rote Perserkatze nicht 4-mal umgeschrieben worden
sein und nicht über Nacht ihr Muster plötzlich 4-mal geändert haben.
Zwischen klassisch gestromt und getigert/getupft ist ein deutlicher
Unterschied im Muster zu sehen.
Ob es sich um eine Geisterzeichnung handelt oder nicht, ist nicht
ganz so einfach zu entscheiden.
 | Viele Richter fragen nicht einmal, welche Farbe oder welches
Muster die Elterntiere haben. |
 | Viele Richter fragen auch nicht nach dem Stammbaum der
Katze.
Das Richten soll doch anonym sein!
Wie kann das Richten noch anonym sein, wenn der Aussteller seine
Katzen selbst präsentieren darf? |
 | Viele Richter ziehen auch nicht die Meinung eines weiteren
Richterkollegen heran und fragen einen Kollegen einfach. |
Den Stammbaum einzusehen, ist immer gut. So werden sehr oft
bestimmte Muster gleich von vorne herein ausgeschlossen, weil sie
genetisch gar nicht möglich sind.
Einen Richterkollegen um seinen Rat zu fragen, kann auch sehr oft
viele Probleme, welches Muster nun eine Katze hat, ausschließen.
Denn vielleicht züchtet der Richterkollege ja gerade Tabby-Katzen
oder hat mehr Erfahrung mit dem Richten von Tabby-Katzen.
Und nicht zu vergessen, auch mit dem Aussteller, welcher oft der
Züchter ist, zu sprechen und ihn zu fragen, wie denn die Katze als
Jungtier zwischen 0 Wochen und 4 Wochen ausgesehen hat, was dem
Züchter hier besonders aufgefallen ist. Oder den Aussteller zu
fragen, ob er bereits Katzen mit einem ähnlich Muster hatte, welche
nun erwachsen sind, und welches Muster diese erwachsenen Katzen nun
haben, ob das Muster vielleicht verblasst ist.
Es ist immer besser, junge Katzen, so lange sie noch nicht um
einen Titel konkurrieren (also jünger als 10 Monate sind), nicht
umzuschreiben, also die Farbe und das Muster so zu belassen, wie es
auf dem Richterbericht angegeben ist.
Es ist auch keine Schande, dem Aussteller dies zu sagen, dass er
seine Katze nochmals mit 10 Monaten vorstellen soll.
Aussteller schätzen es viel mehr, wenn der Richter nicht vorgibt,
allwissend zu sein, und sich hinterher herausstellt, dass sich der
Richter geirrt hatte, wenn nämlich plötzlich von "so genannten"
einfarbigen (=self) Katzen schwarz gestromte Jundtiere fallen und
diese "einfarbige" Katze wo möglich bereits sehr hohe Titel errungen
hat.

© katzenzeitung 11/2010 |
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