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Tabby oder nicht tabby?
Natascha Seeger
Katzen sind keine Puppe

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Tabby oder nicht tabby ?

Ich erinnere mich an eine Geschichte einer rot gestromten Perserkatze. Eine wahre Begebenheit, und nicht erfunden.

Ein neuer Aussteller stellte seine rote Perserkatze voller Stolz das erste Mal aus, und zwar als klassisch rot gestromt = blotched tabby. Im Volksmund auch als Rädermuster bezeichnet.
Am ersten Tag erhielt die Katze auch ihr CAC, also den "1. Punkt" für den Championtitel, wenn auch im Richterbericht geschrieben stand, dass die Zeichnung etwas diffus (undeutlich, verschwommen) ist.
Am zweiten Tag erlebte der Aussteller eine böse, völlig unerwartete Überraschung. Denn seine Perserkatze war plötzlich nicht mehr tabby blotched, sondern wurde von einem namhaften Allbreed-Richter (Richter für alle Rassen) auf "getigert" umgeschrieben und erhielt somit kein CAC.
Der Aussteller ließ es sich nicht verdrießen und stellte seine Perserkatze wieder aus. Und es sollte sich dieselbe Geschichte nochmals wiederholen.
Am ersten Tag erhielt die Katze von demselben Richter, welcher der Katze bereits ein CAC als tabby blotched gegeben hatte, nun das CAC für tabby getigert.
Und am zweiten Tag wieder eine böse Überraschung, völlig unerwartet wurde die Perserkatze nun als tabby spotted (getupft) umgeschrieben und erhielt natürlich kein CAC.
Der Aussteller war zwar schon genervt, doch er gab nicht auf, sondern stellte seine Katze wieder aus.
Und - Sie ahnen es schon - dieselbe Geschichte wiederholte sich. Am ersten Tag erhielt die Katze das CAC als getupft. Doch bis zum zweiten Tag hatte die Katze überraschender Weise wieder das Muster geändert. Sie wurde nämlich als red self umgeschrieben, und zwar mit der Bemerkung, dass die Katze eine ausgeprägte Geisterzeichnung habe. Natürlich erhielt die Katze am zweiten Tag kein CAC.

Nun stand der Aussteller vor einem Rätsel. Seine Katze hatte nun 3 CAC, jedoch für 3 verschiedene Muster.
Und mit 3 CAC ist die Katze doch ein Champion?!

Es gibt Farben, bei denen es nicht so einfach ist zu sehen, ob die Katze eine Tabby-Katze ist oder nicht. Erschwert wird das noch, wenn die Katze langhaarig ist, oder wenn sie mit Weiß ist, oder wenn sie Siam-Abzeichen hat (also mit Points ist), oder wenn sie gar ein gewelltes Fell hat (also eine Rexkatze ist).

Geisterzeichnung oder Tabby-Zeichnung?


Das ist eines meiner chocolate schildpatt Jungtiere.

Aber die Katze ist doch eindeutig getigert!
Eben nicht!
WARUM NICHT?

Sehen Sie die Katze genau an:
Sehen Sie auch schokoladefarbene Streifen?
Nein, Sie sehen nur rote Tigerstreifen. Und das nennt man Geisterzeichnung, also eine Zeichnung, welche sehr deutlich sein kann, die jedoch mit zunehmendem Alter verschwinden wird.
Eine echte chocolate getigerte Katze hat rote und schokoladefarbene Tigerstreifen, oder auch Streifen, welche aus beiden Farben bestehen.

Sehr oft werden schildpattfarbene Katzen irrtümlich als schildpatt tabby (tortie tabby) registriert und auch so ausgestellt, welche in Wirklichkeit nur Schildpatt-Katzen mit einer ausgeprägten Geisterzeichnung sind.
Wenn der Aussteller nicht schnell genug alle Titel mit seiner Katze erringt, so lange diese Geisterzeichnung noch so deutlich zu sehen ist, dann wird die Erfolgsserie irgendwann ein jähes Ende haben.
Eine solche Geisterzeichnung finden Sie meistens bei Katzen mit Rot oder Creme, und dann ist die Zeichnung (das Muster) nur in genau diesen roten/cremefarbenen Farbanteilen vorhanden.

ALSO:
Ein Tabby-Muster muss in allen Farbanteilen zu sehen sein.
Das heißt, Schildpatt von Schildpatt tabby auseinander zu kennen, ist doch ganz einfach.

Woran erkennt man eine Tabby-Katze?

Die Bilder wurden aufgenommen, als die Kätzchen gerade dabei waren, die Augen zu öffnen.

Links: Kopf einer Tabby-Katze Rechts: Kopf einer non-tabby Katze.
Beide Katzen haben die Farbe Chocolate.

Rand der Ohren

Bei Tabby-Katzen ist der Ohrrand fast weiß - immer!, bei non-tabby Katzen nicht.
Am besten sehen Sie das, wenn Sie von hinten auf die Ohren sehen.

Brille rund um die Augen

Tabby-Katzen sehen aus, als hätten sie eine (fast) weiße Brille auf.

Umrandung des Nasenspiegels

Der Nasenspiegel ist bei Tabby-Katzen in der dunkleren Farbe des Musters umrandet.

Gucken Sie hier auf den dunklen oberen Rand des Nasenspiegels, welcher sehr deutlich zu sehen ist. Sehen Sie hier einen dunklen oberen Rand am Nasenspiegel?

Punktiertes Schnurrbartkissen

Wo die Schnurrhaare aus der Haut heraus kommen, sehen Sie bei einer Tabby-Katze dunkle Punkte.
Das Schnurrbartkissen ist auch meistens fast weiß, zumindest sehr hell.
Das können Sie auch bei Katzen mit Siam-Abzeichen bereits bei den Neugeborenen beobachten, dass das Schnurrbartkissen deutlich von der Farbe des übrigen Gesichtes heraus sticht und Sie förmlich blendet, obwohl die Katzen mit Tabby-Points noch überhaupt keine Points haben.

Und all die anderen Tabby-Merkmale?

Was ist mit dem "M" auf der Stirn?
Was ist mit den Spiralen auf den Wangen = Streifen, welche vom äußeren Augenrand über die Wangen gehen?

Vergessen Sie diese Zeichnung, denn Katzen mit Rot/Creme, oder rote/cremefarbene Katzen haben meist ein "M" auf der Stirn und diese Spiralen auf der Wange.

Sehen Sie das "M" auf der Stirne?
Sehen Sie den dunklen Streifen, der vom äußeren Augenwinkel über die Wange läuft?
Und hier sehen Sie genau dieselbe Zeichnung. Das "M" besitzt sogar die zwei Farben des Fells: chocolate und rot. Und auf der Wange ist ein roter Streifen (=Spirale).
Und trotzdem ist diese Katze keine chocolate tortie tabby Katze, sondern nur eine chocolate tortie Katze.

Wie ist es möglich, dass rotfarbene Katzen so oft umgeschrieben werden?

Kommen wir nochmals auf die Geschichte der roten Perserkatze zurück.
Katzen werden so gerichtet, wie sie aussehen, und nicht was sie genetisch sein mögen.

Und trotzdem bleibt hier ein sehr bitterer Beigeschmack zurück, sonst könnte die rote Perserkatze nicht 4-mal umgeschrieben worden sein und nicht über Nacht ihr Muster plötzlich 4-mal geändert haben.
Zwischen klassisch gestromt und getigert/getupft ist ein deutlicher Unterschied im Muster zu sehen.
Ob es sich um eine Geisterzeichnung handelt oder nicht, ist nicht ganz so einfach zu entscheiden.

bulletViele Richter fragen nicht einmal, welche Farbe oder welches Muster die Elterntiere haben.
bulletViele Richter fragen auch nicht nach dem Stammbaum der Katze.
Das Richten soll doch anonym sein!
Wie kann das Richten noch anonym sein, wenn der Aussteller seine Katzen selbst präsentieren darf?
bulletViele Richter ziehen auch nicht die Meinung eines weiteren Richterkollegen heran und fragen einen Kollegen einfach.

Den Stammbaum einzusehen, ist immer gut. So werden sehr oft bestimmte Muster gleich von vorne herein ausgeschlossen, weil sie genetisch gar nicht möglich sind.

Einen Richterkollegen um seinen Rat zu fragen, kann auch sehr oft viele Probleme, welches Muster nun eine Katze hat, ausschließen. Denn vielleicht züchtet der Richterkollege ja gerade Tabby-Katzen oder hat mehr Erfahrung mit dem Richten von Tabby-Katzen.

Und nicht zu vergessen, auch mit dem Aussteller, welcher oft der Züchter ist, zu sprechen und ihn zu fragen, wie denn die Katze als Jungtier zwischen 0 Wochen und 4 Wochen ausgesehen hat, was dem Züchter hier besonders aufgefallen ist. Oder den Aussteller zu fragen, ob er bereits Katzen mit einem ähnlich Muster hatte, welche nun erwachsen sind, und welches Muster diese erwachsenen Katzen nun haben, ob das Muster vielleicht verblasst ist.

Es ist immer besser, junge Katzen, so lange sie noch nicht um einen Titel konkurrieren (also jünger als 10 Monate sind), nicht umzuschreiben, also die Farbe und das Muster so zu belassen, wie es auf dem Richterbericht angegeben ist.
Es ist auch keine Schande, dem Aussteller dies zu sagen, dass er seine Katze nochmals mit 10 Monaten vorstellen soll.

Aussteller schätzen es viel mehr, wenn der Richter nicht vorgibt, allwissend zu sein, und sich hinterher herausstellt, dass sich der Richter geirrt hatte, wenn nämlich plötzlich von "so genannten" einfarbigen (=self) Katzen schwarz gestromte Jundtiere fallen und diese "einfarbige" Katze wo möglich bereits sehr hohe Titel errungen hat.

© katzenzeitung 11/2010


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