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Verhalten lernen - Konditionierung

Haben Sie das Problem, dass Ihre Katze unsauber ist?

Haben Sie das Problem, dass der Kater zu viel und Alles markiert?

STRAFEN ÄNDERT DAS VERHALTEN IHRER KATZE NICHT! NUR BELOHNEN WIRD DAS TUN!

MacDonald & Maxximillion
Das sind MacDonald und Maxximillion, meine zwei Exotic-Kater,
die ihre Stoffkatzen decken.
Beachten Sie die Farbe der Stoffkatzen, die passt genau zu jedem Kater.

Die beiden Exotic-Kater sind sehr aktiv, und trotzdem habe ich sie trainiert (=konditioniert), wenn sie ihre Lustgefühle haben, diese beiden Stoffkatzen zu decken und zu markieren (Die Farbe der Stoffkatzen ist übrigens nicht wichtig, die passende Farbe ist nur ein Gag von mir).

Verhaltensweisen kann man Katzen antrainieren, zwar nicht so leicht und so schnell wie bei Hunden, aber es funktioniert nach einiger Zeit trotzdem. So kann man auch unliebsame Verhaltensweisen, wie das Markieren und überall Herumspritzen, abtrainieren und nur auf gewisse Gegenstände zu konzentrieren.
Diese beiden Kater markieren sonst Nichts, spritzen nicht irgendwo herum, sondern markieren nur ihre Stoffkatzen, die ich von Zeit zu Zeit wasche.
Wichtig sind:

bulletdas Material - die Stoffkatzen sollen weich und biegsam sein
bulletund die Größe - die Kater müssen die Stoffkatzen besteigen können und auch nicht herunterrutschen.

Was ist Konditionierung?

Bevor wir ins Detail gehen, wie Kater lernen können, nicht Möbel, Sofa, Vorhänge, usw. zu bespritzen, sollten wir ein wenig theoretisches Wissen über die Konditionierung haben.
Es gibt viele kluge Bücher über Lernen durch Konditionierung, doch keine Sorge, wir werden uns mit dieser trockenen und oft schwer verständlichen Theorie und Literatur nur so beschäftigen, dass wir das Wissen auch praktisch anwenden können.

Es gibt die Klassische Konditionierung (nach Ivan Petrowitsch Pawlow) und die Operante (auch Instrumentell genannt) Konditionierung (nach Edward Lee Thorndike).

Klassische Konditionierung

Bekannt sind die Pawlowschen Hunde.
Hunde sondern bereits vor dem Füttern Speichel ab. Dies bemerkte Pawlow. So ließ er jedes Mal vor der Fütterung einen Gong ertönen. Bereits nach wenigen Tagen hatten die Hunde gelernt, den Gong (=Reiz) mit der Fütterung zu verbinden.
Bei jedem Gongschlag sonderten die Hunde nun Speichel ab, auch wenn kein Futternapf gebracht wurde.
Dies nennt man "bedingten Reflex".

Klassische Konditionierung Ungedingter Reiz = US
Dieser Reiz löst ohne experimentelles Zutun immer eine Reaktion aus.
Hier ist US der Futternapf.
Unbedingte Reaktion = UR
Sie wird durch den US hervorgerufen und hat meist eine biologische Funktion (z.B. Lidschlag, um die Augen zu schützen).
Hier freut sich die Katze auf das Futter (US) und sabbert (UR).
Bedingter Reiz = CS
Ein Reiz, der ursprünglich neutral ist, also keine Reaktion hervorruft.
Durch die Konditionierung - CS und US treten wiederholt knapp hintereinander auf - wird dieser Reiz zu US, auf den nach bestimmter Zeit eine Reaktion CR folgt, die UR ähnlich ist.
Hier ist der bedingte Reiz (CS) die Glocke, und die Katze sabbert (CR).
Bedingte Reaktion = CR
Wird nach erfolgreicher Konditionierung durch CS ausgelöst, d.h. ohne dass dann der Futternapf (=US) kommt.
Hier ist die bedingte Reaktion (CR), dass die Katze sabbert.

Ist die Konditionierung erfolgreich abgeschlossen, sabbert die Katze auch, wenn die Glocke geläutet wird, ohne dass der Futternapf kommt.

Reflexkette
Wenn eine Reaktion auf einen Reiz (gleichgültig ob UR oder CR) einen weiteren Reflex auslöst, usw.

Beispiel:

Sie wollen Ihre Katze an bestimmte Essenszeiten gewöhnen.
Überlegen Sie, was das Lieblingsfutter der Katze ist. Genau das füttern Sie immer zur selben Uhrzeit und klappern mit dem Futtersack, der Futterdose - wie auch immer das Futter verpackt ist. Die Katze verbindet nun nach einiger Zeit das Klappern mit der Vorstellung, dass ihr Lieblingsfutter auf sie wartet. Tauschen Sie dabei allmählich das Futter gegen ein anderes aus, damit es auch bei jedem anderem Futter funktioniert.
Wenn Sie also mit dem Futtersack oder -Dose klappern, wird die Katze angerannt kommen.

Operante (instrumentelle) Konditionierung

Bekannt ist der Problemkasten für Katzen von Thorndike. Er konstruierte einen Käfig für Katzen, in dem sich mehrere Hebel befanden, aber nur einer der Hebel führte ins Freie. Vor dem Käfig war das Futter aufgestellt.
Zuerst reagierten die Katzen durch Schreien, Kratzen, usw. und versuchten wahllos, aus dem Käfig zu kommen. Durch Zufall drückten sie auch den Hebel, der die Käfigtür öffnete und zum ersehnten Futter führte.
Bei jedem weiteren Versuch gelang es den Katzen immer schneller, den Hebel zum Türöffnen zu drücken, bis sie schließlich das Verhalten gelernt hatten.
Durch das Futter wurde die Handlung (nämlich das Öffnen der Tür und damit sich zu befreien) verstärkt.

Prinzipien der operanten Konditionierung

Gesetz der Bereitschaft (law of readiness) Die Bereitschaft zum Lernen muss vorhanden sein. Die Bereitschaft ist ein Bedürfnis, das befriedigt werden soll, und damit ein angenehmer Zustand hergestellt wird oder ein unangenehmer vermieden wird. Verhalten und Konsequenzen
Gesetz der Übung (law of exercise) Die Verhaltensweise muss wiederholt werden, damit sie auf Dauer gelernt wird.
Das wiederholte Üben betrifft auch das Verstärken oder Schwächen von Verknüpfungen durch Üben.
Im Experiment mit den Katzen wurden das Öffnen der Käfigtür und das Futter vor dem Käfig miteinander verknüpft und somit das Lernen der Katze verstärkt, dass sie immer schneller lernte, die Käfigtür zu öffnen.
Gesetz der Auswirkung (law of effect) Führt ein Verhalten zu einem positiven Effekt (positive Konsequenz = Folge), wird das Verhalten als angenehm erlebt und häufiger wiederholt.
Führt das Verhalten zu einem negativen Effekt, wird das Verhalten als unangenehm erlebt und nicht mehr wiederholt.
Es war angenehm für die Katze, die Käfigtür zu öffnen und damit die Freiheit zu erlangen. Daher hat die Katze das Verhalten wiederholt und somit immer schneller gelernt, die Käfigtür zu öffnen.

Bekannt ist auch die Skinner-Box von Skinner. Skinner sperrte Ratten in einen Käfig, in dem sich ein Fressnapf befand, der von außen gefüllt werden konnte. Ebenso befand sich ein Hebel, der je nach Versuch eine andere Konsequenz hatte.
Ratte 1 bekam Futter, wenn sie den Hebel betätigte.
Ratte 2 konnte den Strom, der durch den Bodenrost floss, mit dem Hebel ausschalten.
Ratte 3 schaltete den Strom im Bodenrost ein, wenn sie den Hebel betätigte.

Nach etlichen Versuchen hatten Ratte 1 und Ratte 2 gelernt, den Hebel umzulegen, denn es hatte ja angenehme Konsequenzen für sie.
Ratte 3 hatte gelernt, den Hebel nicht mehr umzulegen, denn dies hatte ja unangenehme Konsequenzen.

Ebenso wurden die Ratten auf eine zweite Bedingung konditioniert, nämlich den Hebel nur dann umzulegen, wenn eine Lampe brannte.

Generalisation Ein Verhalten wird in allen Fällen belohnt.

Also, gleichgültig ob die Lampe brannte oder nicht, wenn die Ratte den Hebel umlegte, gab es Futter zur Belohnung.

Diskrimination - Differenzierungslernen Ein Verhalten wird nur in bestimmten Fällen belohnt.

Also, nur wenn die Lampe brannte, erhielt die Ratte Futter zur Belohnung, wenn sie den Hebel umlegte.
Wenn das Licht nicht brannte und die Ratte legte den Hebel um, gab es kein Futter.
So lernte die Ratte, den Hebel nur dann umzulegen, wenn das Licht brannte.

Extinktion - Löschen Wenn ein Verhalten keine Verstärkung mehr erhält, dann wird das Verhalten seltener.

Also, wenn die Ratte 3 den Hebel umlegte, wurde der Strom im Bodenrost eingeschaltet. Daher hat sie nach einiger Zeit den Hebel nicht mehr umgelegt.

Verstärkung Verstärkung eines Verhaltens bedeutet eine angenehme Folge.

Also, Ratte 1 wurde in ihrem Verhalten, den Hebel umzulegen, bestärkt, weil es jedes Mal als Belohnung Futter gab.

 

Unterschiede zwischen der klassischen und operanten Konditionierung

  Klassische Konditionierung Operante Konditionierung
beruht auf Assoziation auf Lust- und Unwohlgefühle
Art eher passiv eher aktiv
wichtige Reize (so genannte kritische Reize) vor der gewünschten Reaktion nach der gewünschten Reaktion
Verhalten Es gibt keine Konsequenzen für das Verhalten. Es gibt Konsequenzen für das Verhalten.
Wie arbeitet die Konditionierung (Inhalt)? Es wird eine Beziehung zwischen Reizen (Reizereignissen) hergestellt. Es wird eine Beziehung zwischen der Reaktion und ihren Bedingungen und Folgen hergestellt.

 

Wie können wir Katzen ein bestimmtes Verhalten antrainieren?
Wie können wir ein unliebsames Verhalten umlenken?
Kurz: Wie können wir Katzen auf ein bestimmtes Verhalten konditionieren?

Wie habe ich also meine zwei Exotic-Kater konditioniert, dass ich ihr Markieren auf die Stoffkatzen umgelenkt habe?

Maxximillion: Ah, ist das aber angenehm!

Um die Stoffkatzen attraktiver zu machen, verwenden Sie ganz wenige Tropfen Baldrian (SEHR wenige Tropfen!), die man auf die Stoffkatzen träufelt, oder Katzenminze, mit denen man die Stoffkatzen einreibt. Beides lieben Katzen.
Dann habe ich jeden Tag ein- bis zweimal die Kater auf die Stoffkatzen gesetzt, wenn ich sie beim Markieren ertappt habe, und sie danach mit ihrem Lieblingsfutter belohnt (auch wenn die Kater zu Beginn nicht auf den Stoffkatzen sitzen blieben!). Die Belohnung habe ich wie ein besonderes Fest gemacht, mit vielen lieben Worten, Streicheleinheiten, kurz, was Katzen angenehm ist.
Diese Prozedur habe ich jeden Tag über viele Wochen hindurch wiederholt, ein- bis zweimal pro Tag, wenn ich die Kater beim Markieren ertappt habe. Wenn die Kater dann die Stoffkatzen markiert und gedeckt haben, dann fiel die Belohnung besonders reichlich aus.
Sie werden beobachten, dass die Kater irgendwann beginnen, auf den Stoffkatzen sitzen zu bleiben und diese von selbst zu decken und zu markieren. Dieses Verhalten tritt jedoch am Anfang nicht regelmäßig auf. Aber, ab einem bestimmten Zeitpunkt haben die Kater durch die darauf folgende Belohnung mit Leckerlies gelernt, und das Verhalten tritt regelmäßig auf.
Jetzt ist es so, dass ich die Belohnung nun weglassen kann, da ja die Befriedigung (=Lustgefühl) erfolgt, wenn die Kater die Stoffkatzen decken.
So wurde auch gleichzeitig das Markieren der Möbel, Sofas, etc. immer weniger, und heute ist es verschwunden.

ABER: Katzen sind hartnäckig und sehr eigenwillig, auch hat jede Katze ihren eigenen Charakter. Das Üben mit den Stoffkatzen dauert also bei jedem Kater unterschiedlich lang, und generell dauert es mehrere Wochen, bis die Kater gelernt haben, dass es angenehm ist, die Stoffkatzen zu decken. Ich habe 8-12 Wochen gebraucht.

MacDonald: Das ist aber meine Katze!

Wie kann ich eine Katze, die unsauber ist und nicht ins Katzenklo gehen will, so konditionieren, dass sie gerne aufs Kistchen geht?

Ich habe eine Katze, die in der Hierarchie die letzte ist und unsauber war, d.h. sie hatte ihre Geschäfte gerade dort verrichtet, wo sie stand.
Sie gehen sicher morgens, wenn sie aufstehen, aufs WC. Also habe ich eine Katzentoilette in das WC gestellt, die nur dieser Katze gehörte. Wenn ich dann morgens aufs WC ging, habe ich die Katze mitgenommen und sie mehrmals in die Katzentoilette gesetzt (3- bis 4-mal). Und danach gab es eine Belohnung mit Leckerlies. Am Anfang, etliche Wochen, hat die Katze überhaupt nichts gemacht, wenn ich sie in die Katzentoilette setzte. Ich habe sie trotzdem immer belohnt. Sie werden auch hier beobachten, dass die Katze eines Tages beginnt, ihr Geschäftchen in der Katzentoilette zu verrichten, anfangs noch unregelmäßig, später dann aber regelmäßig.
Dieselbe Prozedur wiederholte ich auch abends, wenn ich von der Arbeit heimkam. Und das über viele Wochen hindurch. Es dauerte 8 Wochen, bis die Katze gelernt hatte, regelmäßig morgens und abends auf die Katzentoilette zu gehen.
Heute wartet die Katze bereits am Morgen und kommt angerannt, wenn ich sie rufe, um ihr Geschäft in der Katzentoilette zu verrichten. Und dies macht sie nun ohne Leckerlies.

GEDULD - GEDULD - GEDULD

Katzen können nicht so schnell konditioniert werden wie Hunde. Es funktioniert nicht gleich nach 2 Wochen. Es funktioniert auch oft nicht nach 4 Wochen.
Viele Katzenbesitzer verlieren die Geduld und geben zu schnell auf.
Jede Katze kann das, was ich beschrieben habe, erlernen!

 

Ivan Petrowitsch Pawlow (Pavlov)

Onmedia - Lexika (Deutsch)

ivanpavlov.com (Englisch)

nobelprize.org (Englisch)

1849-1936, St. Petersburg, Russland
Klassische Konditionierung, Pawlowsche Hunde
Burrhus Frederic Skinner

Skinner Foundation (Englisch)

1904-1990, Harvard University in Cambridge, Massachusetts, USA
Operante Konditionierung, Skinner-Box
Edward Lee Thorndike

Human Intelligence - Biographical Profiles (Englisch)

1874-1949, Columbia University, New York, USA
Begründer der operanten Konditionierung, Gesetz der Wirkung = Effekt, Lernen am Erfolg, Trial-and-Error (Lernen durch Versuch und Irrtum)

 

© katzenzeitung 6/2007


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