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Das Richten - Etwas nur für Eingeweihte?

Das Richten ist bei jeder Dachorganisation anders ...

Für einen Laien - und manchmal auch für die Aussteller selbst - ist die Prozedur des Richtens wie die Alchemie, schwer verständlich.

bulletWas sind Qualifikationen? Was sind Zertifikate?
bulletWas sind Winner Ribbons?
bulletWas ist ein Ring?
bulletWelche Titel gibt es überhaupt? Und wie werden diese vergeben?
bulletWas ist BIS, BOS und BOB? Sind das irgendwelche Kürzel aus dem Katzenlatein?
bulletWas ist ein Final? Hat das was mit einem Finale zu tun? Gibt es also auch ein Halbfinale?
bulletWas ist eine Division? Geht es bei Katzenleuten paramilitärisch zu?
bulletWas ist ein Ehrenpreis? Werden da bestimmte Katzen oder gar Aussteller geehrt?
bulletWas ist BIV?
bulletWas sind HHP?
bulletWas sind Kategorien?
bulletWas ist ...

In der Tat gibt es im Katzenlatein viele Abkürzungen, und leider werden dieselben Dinge manchmal unterschiedlich bei den einzelnen Dachorganisationen benannt. Dies fängt schon bei den Rassen und Farben an.

Einige Kürzel aus dem Katzenlatein ...

Die Katzenrassen werden nach Kurzhaar und Langhaar in Kategorien eingeteilt.
Bei etlichen Dachorganisationen gibt es noch die Kategorie der Katzen mit orientalischem Typ. Ein orientalischer Typ ist, vereinfacht gesagt, eine schlanke Katze mit längerem Körper, langen schlanken Beinen und einem langen keilförmigen Kopf.
Bei einigen Dachorganisationen wird die Kategorie Langhaar nochmals geteilt, in Langhaar - sind meist die Perser - und in Halb- oder Semilanghaar - das sind die übrigen Rassen mit längerem Fell.
Und bei der FIFe z.B. werden miteinander verwandte Rassen in dieselbe Kategorie eingeteilt, gleichgültig, ob sie ein kurzes oder langes Fell haben. So sind Abessinier (Kurzhaar) und Somali (Langhaar) in der Kategorie 3, oder Balinesen (Langhaar) sind gemeinsam mit Siam (Kurzhaar) in Kategorie 4.
Sie merken, schon die Erklärung, was eine Kategorie ist, fällt umfangreich aus.

Eine Rasse selbst wird wieder in Farben oder Farbgruppen untergliedert, was dann Varietät heißt, bei amerikanischen Vereinen heißt es Division(s). Nach welchen Kriterien manche Rassen in Varietäten (Farbgruppen) eingeteilt werden, ist schwer nachvollziehbar. Angeblich nach genetischen Aspekten (i. e. nach miteinander verwandten Farben). Schaut man sich dieses Argument und die Einteilung in Farbgruppen genauer an, dann kann man sich z.B. bei der FIFe nicht erklären, warum die Rexkatzen in 7 Farbgruppen, Maine Coon in 9 Gruppen, Sphinx nun nur mehr in einer Gruppe, und American Curl in 11 Gruppen eingeteilt sind. Mit Genetik hat dies auch eher wenig zu tun, dass bei den Rexkatzen die Smoke-Farben jeweils in der zugehörigen Gruppe für nicht-silber Farben eingeteilt sind, bei den Maine Coon aber nicht. Angeblich kann man durch das gewellte Haar einfarbige von smoke Katzen nicht unterscheiden. Hat man sich jemals die Frage vorgelegt, dass Smoke, wenn die Farbe sehr gut durchgezüchtet wurde, auch bei Katzen mit gewellten Haaren zu sehen ist? Wirft man jedoch einen Blick in die Stammbäume der 'silbernen' Katzen, so wurde keine Farbe wirklich gut durchgezüchtet. Dies alles unter dem Deckmantel, die Farbe zählt ja nichts, denn die Rexkatzen sind ja in Farbgruppen eingeteilt.  Dass die Farbe jedoch für die Zuordnung zu einer Farbgruppe doch zählt, wird hierbei übersehen.
So muss man den Schluss ziehen, dass die Einteilung in Varietäten (Divisions) oder Farbgruppen historisch, politisch oder wie auch immer bedingt ist, und mit Logik leider sehr wenig zu tun hat.

Aufsetzend auf den Begriff der Varietät, wählt ein Richter dann die beste Katze und vergibt ein BIV = Beste in der Varietät. Klingt einfach, ist es jedoch nicht, denn auch hier muss bei vielen europäischen Verbänden ein kompliziertes Regelwerk beachtet werden, nämlich wie viele Katzen anwesend sind, ob ein BIV auch für Jungtiere vergeben werden kann oder die Jungtiere gemeinsam mit den Erwachsenen um das BIV konkurrieren, usw. usw.
Dies ist bei amerikanischen Vereinen etwas transparenter, denn da sind die Katzen nach Erwachsene, Jungtiere und Kastraten getrennt und erhalten auch getrennt Best of Division, unabhängig, wie viele Erwachsene oder Jungtiere anwesend sind.
Bei einigen Organisationen gibt es neben dem BIV oder dem Best of Division tatsächlich noch einen Rassesieger, es treten also alle Katzen einer Rasse, unabhängig, welche Farbe sie haben, gegen einander um den Rassesieg an.

Je mehr Titel, umso lieber ...

Bei vielen Dachorganisationen muss eine Katze mehrere Zertifikate erringen, um einen Titel zu erringen. Das heißt also, sie muss in ihrer Gruppe (= Klasse) die Erste werden. Und die ersten Plätze werden dann gezählt, und so erhält die Katze dann einen Titel. Je nach Titel sind diese Zertifikate (erste Plätze) mit bestimmten Kürzeln benannt. Um Champion zu werden, muss die Katze drei Zertifikate namens CAC erringen, um Europachampion zu werden muss die Katze 6 oder 9 Zertifikate namens CACE erwerben. Die Anzahl der Zertifikate für jeden Titel ist bei jeder Dachorganisation verschieden.
Anders ist das bei manchen amerikanischen Systemen, für den Champion muss die Katze drei Winner Ribbons (drei erste Plätze) erreichen. Und dann gibt es nur mehr den Grand Champion (=GC), wo die Katze eine bestimmte Anzahl von Champions schlagen muss. Die Anzahl ist relativ hoch. Die Punkte, die nach einem komplizierten Algorithmus, den ein Laie nicht versteht, errechnet werden, betragen bei CFA z.B. 200 Punkte für den Grand Champion.
Die Titel werden getrennt nach Geschlecht für erwachsene Katzen und Kastraten vergeben.

Welche Titel es gibt, ist auch von Organisation zu Organisation verschieden. Man hat oft den Eindruck, dass es eine wahre Titelinflation gibt. Auch scheint es nicht schwierig zu sein, einen Titel zu erringen, wenn man sich die richtige Ausstellung aussucht, sodass die Katze alleine in ihrer Gruppe ist.
Bei manchen amerikanischen Vereinen gibt es meist nur zwei Titel Champion oder Premior für Kastraten und Grand Champion bzw. Grand Premior bei den Kastraten. Und der Titel Grand Champion / Premior ist viel schwerer zu erreichen, da hier eine bestimmte Anzahl an Champions besiegt werden muss, und nicht eine relativ kleine Anzahl an Zertifikaten errungen werden muss.
Doch auch hier hat die Inflation nicht Halt gemacht. So gibt es Double Grand Champions, Triple Grand Champions, Quadruple Grand Champions, Platin Champions, Diamond Champions, Rubin Champions, u.v.a.m.

Bei vielen Ausstellern ist es zum Sport geworden, bei möglichst vielen Organisationen Titel zu erringen. Da ist oft der Titelvorspann in einem Stammbaum länger als der Name der Katze selbst.
Dies scheint auch die Programmierkünste und Datenbanken etlicher Vereine zu überfordern, denn dann werden die vielen Titel kunstvollst abgekürzt, wie bei der Stenographie. So wird ein Stammbaum ohne zugehöriges Kürzelverzeichnis für einen Laien fast unleserlich. Das einzige, was er sieht, ob viel Rot im Stammbaum geschrieben wurde. Denn dann muss doch die Katze sehr berühmte Vorfahren haben, wenn diese so viele Titel haben (?).

Der Richter-Ring - ein heiliger Gral ...

Da springen erwachsene Menschen vor Käfigen mit Wedeln herum, und die Katzen schauen erstaunt zu und denken sich ihren Teil.
Diese Wedel ernähren eine ganze Zubehörindustrie und sind begehrte Sammlerobjekte. Da gibt es Wedel aus Silberlametta, Wedel mit Pfauenfedern, ja sogar Wedel mit so einer Art Babyrassel. Und wer ganz stilecht sein will, der besitzt blinkende Kugelschreiber mit Wedel.
Mit einem Dompteur hat dies allerdings nichts zu tun, denn die Katzen sind keine wilden Tiere, die erst gezähmt werden müssen. Aber angeblich machen dann die Katzen die Augen besser auf.
Aber vielleicht kommt - angelehnt an den Zirkus - der Begriff des Richter-Ringes davon?
Oder hat der Richter-Ring etwas mit dem Boxen zu tun?
Manchmal könnte man das fast glauben, wenn man das Gedränge der Aussteller vor dem Richtertisch beobachtet, die sich und ihre Katzen richtig in Szene setzen wollen.
Ein Richter-Ring ist bei den Katzen nicht wirklich ein Ring, sondern ein Tisch, an dem ein Richter sitzt oder steht, mit Käfigen hinter seinem Tisch, in denen die Katzen auf das Richten warten. Oft stehen bei europäischen Vereinen die Richtertische und diese Käfige auf einer Bühne, was ihnen einen so erhabenen - oder besser erhobenen ? - Ausdruck gibt. Bei amerikanischen Vereinen stehen die Richterringe zu ebener Erde meist an der Längsseite einer Halle, und davor sind halbkreisförmig die Sessel für die Aussteller angeordnet, wie in einer Arena.

Doch bei allen Vereinen ist der Richterring für den normal sterblichen Besucher gesperrt. Das heißt, die Richter sind für den Besucher meist nicht zu sprechen. An wen soll sich der Besucher wenden, wenn bereits eine wichtige Gruppe von Experten von ihm abgeschirmt wird?
Die Aussteller selbst stehen auch nicht wirklich für Fragen zu einer Rasse zur Verfügung, denn die sind im Ausstellungsstress.
Denn zuerst müssen die Käfige dekoriert werden - so manche Schaufensterdekoration würde gegen so manchen Käfig vor Neid erblassen.
Dann müssen die Katzen nochmals getrimmt, gebürstet, gepudert werden. Ob dies den Pflegezustand der Katze noch erheblich verbessert, sei dahingestellt. Auf alle Fälle werden die Nerven des Ausstellers strapaziert, und der Stress für die Katzen wird erhöht, die sich eigentlich schon auf ein gemütliches Nickerchen in ihrer Kuschelhöhle im Käfig gefreut hatten.
Und dann ist man mit dem Präsentieren der Katzen vor dem Richter beschäftigt.
Aber an wen kann sich der Besucher mit all seinen Fragen wenden?
Aber natürlich an den Aussteller, wenn er nämlich eine Katze von diesem kaufen will.

Einen Vorteil haben die amerikanischen Ringe. Hat man als Besucher einen der Sessel vor dem Ring ergattert - gegen den Protest der Aussteller, dann sieht man wenigsten die Katzen besser. Denn diese werden auf ein Podest, das auf dem Richtertisch steht, gesetzt oder gestellt, und präsentieren sich da sehr profimäßig. So sieht und hört man, um welche Rasse es da geht, und kann auch die verschiedenen Farben und Muster besser sehen.
Bei europäischen Richtertischen ist meist der Blick auf die Katzen durch Stewards oder die aufgeregt umher springenden Aussteller verstellt.

Das Richten - eine heilige Handlung ...

Wie die Katzen gerichtet werden, kriegt man als Besucher nicht wirklich mit. Die Standards, nach denen die Katzen gerichtet werden, sind in Katzenlatein geschrieben und ohne Wörterbuch kaum zu verstehen. Was so ein Katzenrichter begutachtet, wird auch meist nicht erklärt, und ist von Richter zu Richter verschieden.
Das Richten ist eine sehr statische Angelegenheit, da sitzt oder steht das zu beurteilende Objekt auf einem Tisch, von Zeit zu Zeit wird es hochgehalten, da man dann angeblich die Kopfform und die Augen besser sehen kann.
Da lob ich mir das Richten bei den Hunden, wo diese - zwar zum Leidwesen so mancher Aussteller - in einem Ring einige Runden laufen müssen. Dies hat den Vorteil, dass man strukturelle Defekte im Körperbau sehr viel schneller und einfacher sieht. Mal ganz ehrlich, wie soll ein Katzenrichter eine Patella Luxation erkennen, wenn die Katze liegt, sitzt oder steht und er kein ausgebildeter Tierarzt ist. Würde die Katze laufen müssen, würde man dies wesentlich einfacher erkennen. Oder wie soll ein Katzenrichter einen Plattfuß oder ein Problem im hinteren Sprunggelenk erkennen, wenn die Katze völlig statisch auf dem Tisch sitzen muss. Und doch ist jeder Defekt im Körper- oder Knochenbau, kurz in der Struktur als schwerer Fehler zu ahnden.
Die Sache mit dem Gebiss ist auch ein eigenes Kapitel für sich. Bei den Hunden ist das Gebiss sehr genau beschrieben und wird sehr genau geprüft. Bei den Katzen verhält es sich da schon anders. So mancher Organisator, aber auch Richterkollege sieht es gar nicht gern, wenn man der Katze ins Maul schaut. Und so kommt es öfters vor, dass bei der Wahl der schönsten Katzen einer Ausstellung das Gebiss gar nicht mehr überprüft wird und so manche Katze mit schiefem Gebiss gewinnt. Man sieht es ja nicht von außen und es stört den ästhetischen Eindruck doch nicht, die Katze ist doch sonst so schön und so toll gepflegt.
Ist eine Katze, deren Fangzähne - ein sehr wichtiges Organ bei einem Jäger - versetzt sind, wirklich schön? Ist dies nicht ein verzerrter Begriff von Ästhetik und Schönheit?

Nach welchen Kriterien so ein Zertifikat vergeben wird, welche Katze in ihrer Gruppe den ersten Platz belegt, bleibt einem normalen Besucher - oft auch einem Aussteller - öfters verborgen.
Bei manchen Richtern zählt der Stop und eine kurze Nase so viel wie die gesamte Punkteanzahl des Kopfes, dabei ist es nur ein Teil von vielen anderen, die da oft im Standard beschrieben sind.
Auch gibt es eine Punkteskala bei jedem Standard, die aber meist als lästiges mathematisches Relikt beiseite geschoben wird. Würde so mancher diese Punkteskala ernster nehmen, würde ihm auffallen, dass es bei der Punkteverteilung auf die einzelnen Körperteile ganz bestimmte Relationen gibt.
Ein Beispiel dazu:
Bei den Abessiniern zählt das Fell in fast allen Standards 50% der gesamten Punkteanzahl. Also muss das Fell a) sehr wichtig bei den Abessiniern sein und b) zum Charakteristischen dieser Rasse zählen. Doch was hört man sehr oft: Der Aby-Look ist so wichtig, der sich meist nur auf den Kopf beschränkt, der samt den Augen und Ohren nur ein Viertel der gesamten Punkteanzahl ausmacht.
Ein anderes Beispiel:
Bei den Persern entfallen auf den Kopf (inklusive der Form der Augen, aber ohne Augenfarbe) 25% - 30% der gesamten Punkteanzahl. Im Kopf sind enthalten die Form des Kopfes selbst, die Stirn, die Wangen, die Nase und der Stop, der Kiefer und das Gebiss, das Kinn, die Form und Größe der Augen, und Größe, Form und Stellung der Ohren. Und trotzdem hat eine sehr kurze Nase mit einem ausgeprägten Stop einen extremen Stellenwert erhalten und entscheidet nun oft über die Vergabe eines Zertifikates, also ob die Perserkatze in ihrer Gruppe den ersten Platz belegt oder nicht. So, als würde der Kopf nur aus einer recht kurzen Nase und einem möglichst tiefen Stop allein bestehen. So, als würden die kurze Nase und der Stop allein entscheidend sein, ob die Katze eine Perserkatze ist oder nicht. Eine bedenkliche Verschiebung der Relationen ins Extreme!
Und ein letztes Beispiel:
Bei der Siam entfallen auf den Kopf 25% - 30% der Gesamtpunkteanzahl. Im Kopf sind neben der Form des Kopfes, der Stirn, der Nase, dem Kiefer und Gebiss, der Schnauze, der Form der Augen auch die Größe, Form und Stellung der Ohren enthalten. Auch hier haben sich die Relationen beim Richten sehr merkwürdig ins Extrem verschoben, denn die Ohren haben einen Stellenwert erhalten, der bedenklich ist. Oft entscheiden die Ohren, welche Siamkatze den ersten Platz belegt und welche nicht.

Die Katze muss richtig inszeniert werden ...

Die Inszenierung beginnt bereits bei der Käfigdekoration. Normale Vorhänge tun es nicht mehr, da muss Lurex her, da müssen Spitzen, Strass und eine Federboa her. Wie in einem Puppenhaus, steht dann auch noch ein mehr oder weniger dekoratives Sofa im Käfig. Oder die Kuschelhöhle wird so platziert, dass der Besucher sie nur von hinten sehen kann.  Da müssen die Rosetten und Kokarden die Käfigwände, oft auch noch die Vorderseite überladen. Und oben am Käfig trohnen die Pokale und Folianten mit Siegerfotos. Siegerfotos von wem?
Aber wo bleibt die Katze?
Wer wird da wirklich inszeniert?

Doch die Inszenierung bleibt nicht bei der Käfigdekoration stehen, viel wichtiger ist sie bei der Präsentation der Katze vor dem Richter. Da kommen Katzen mit Strasshalsbändern auf den Richtertisch, so als würden diese Halsbänder die Ästhetik der Katze erheblich verbessern.
Da werden Birmakatzen im Spitzenkörbchen auf dem Richtertisch präsentiert, um das Herz des Richters zu rühren. Denn natürlich sehen die kleinen Kätzchen im Spitzenkörbchen niedlich aus.
Da werden Siamkatzen lang gestreckt und lang gezogen, denn schließlich sollen sie doch einen langen Körper haben.
Da werden Perserkatzen ganz unnatürlich gestaucht und Hinter- und Vorderbeine zusammengehalten, denn schließlich sollen sie doch einen kurzen Körper haben.
Da glänzen Sphinxkatzen,  eingeölt wie Bodybuilder. Denn schließlich sollen sie doch eine geschmeidige Haut haben.
Da steigt bei so mancher Katze eine Puderwolke auf, dass man als Richter Mühe hat, nicht niesen zu müssen. Doch das Fell soll ja hell und wie eine Wolke aussehen.
Da steigt einem der Geruch eines schweren Parfüms in die Nase und droht einem die Sinne zu benebeln. Aber vielleicht riecht dann ein Kater weniger nach Kater.

So manches Mannequin könnte von den Katzenleuten noch was lernen.

Die Bretter, die die Welt bedeuten ...

Bei allen Organisation werden auf einer Ausstellung die besten Katzen der Ausstellung von den Richtern gewählt. Das europäische System unterscheidet sich da vom amerikanischen.
Bei europäischen Organisationen werden Katzen von den Richtern für die Best in Show (= BIS) nominiert. In der Best in Show stimmen dann die Richter über die besten Katzen ab. Es gibt keine Reihung, lediglich bei Erwachsenen und Kastraten gibt es einen BIS-Sieger (der Sieger) und einen BOS-Sieger (Best opposite Sex).
Aber weil der BIS-Sieg allein nicht genügt, gibt es dann noch aus den Gewinnern bei den einzelnen Kategorien eine Wahl des Best of Best (= BOB).
Beim amerikanischen Richten wählt jeder Richter die 10 (manchmal auch 15) besten Katzen aus all seinen Katzen aus allen Rassen aus, unabhängig von der Kategorie (ob Kurz- oder Langhaar, ob Perser oder Orientale oder nicht). Jeder Richter macht seine eigene Best in Show, die hier Final genannt wird. Der Richter reiht nun diese ausgewählten Katzen von 1 - 10 (15). Ein Final gibt es für Erwachsene, Kastraten und Jungtiere.

Doch Titel sind bereits zur Selbstverständlichkeit geworden. Die nimmt man eben mal so im Vorübergehen mit. Gewinnt die Katze ausnahmsweise keinen Titel, kann man dies oft daran erkennen, dass der Aussteller, seine Katze irgendwo unterm Arm, gesenkten Haupts eilig durch die Halle zu seinem Käfig strebt, und die Katze lieblos und möglichst schnell im Käfig verstaut wird.
Wichtig ist, dass mann/frau wieder auf der Bühne steht. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich wieder mit seiner Katze für das Siegerfoto zu präsentieren und wieder einen Pokal seiner Sammlung hinzuzufügen.
Vielleicht hat man ja Glück, und das Fernsehen ist da, oder man kann sein Bild in einem Katzenmagazin bewundern.

Und wo bleiben da die HHP ...

Was sind eigentlich HHP? Wieder so eine neumodische Katzenrasse?
HHP ist auch ein Kürzel aus dem Katzenlatein und bedeutet House Hold Pets, schlicht Hauskatzen genannt. Doch Englisch klingt's ja besser.

Ja, jeder Organisator schmückt sich gerne auch mit Hauskatzen. "Sogar Hauskatzen können ausgestellt werden und können ihre eigene BIS oder ihr eigenes Final gewinnen. Einfach toll!"
Die Meinungen, was Hauskatzen sind, gehen jedoch von Organisation zu Organisation und von geographischer Region zu Region manchmal weit auseinander. So sind bei manchen Organisationen nur kurzhaarige Hauskatzen zugelassen. Bei anderen Organisationen sind keine Hauskatzen mit Siamabzeichen zugelassen, obwohl diese z.B. sehr häufig in südlichen Ländern vorkommen. Wieder andere Organisationen nehmen nur kastrierte Hauskatzen.
Auch der Modus, nach dem die beste Hauskatze einer Ausstellung gewählt wird, ist auch oft unterschiedlich. Bei einigen werden Kastraten von Nicht-Kastraten nicht getrennt. Bei anderen werden Männchen und Weibchen getrennt und konkurrieren dann gegen einander.

Schade ist nur, dass bei etlichen Organisationen die Hauskatzen keinerlei Titel gewinnen können, obwohl sie einen eigenen Standard haben und dieselbe Prozedur beim Richten durchlaufen müssen, wenn sie ausgestellt werden.
Wozu ein Standard, wenn es dann keinen Titel zu gewinnen gibt? Bleibt es da nur beim Wollen?

© katzenzeitung 2/2007


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