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Standard und Gesundheit? Eine provokante Frage?
Lesen wir die Standards mal unter dem Aspekt ihrer Proportionen und
Implikationen für die Gesundheit.
Standard Manx nach
TICA,
Manx Breed Group Standard, 05/01/2004:
BODY:
Torso: short back which forms a smooth continuous arch from
the shoulders to the round rump.
Body should not be so short that it appears out of balance.
Legs: Sturdy boning and wellmuscled. Forelegs shorter than
hind legs. Hind legs with substantial musculature, should be
straight when viewed from behind.
GENERAL DESCRIPTION:
The Manx and Cymric have short front legs, height of hindquarters,
great depth of flank, and a short back which forms a smooth
continuous arch from the shoulders to the round rump.PENALIZE:
level back; short hind legs, fine boning, bowed or cow-hocked
(knock-kneed) hind legs. |
KÖRPER:
Torso: ein kurzer Rücken, der einen glatten
durchgehenden Bogen von den Schultern zum runden Rumpf bildet.
Der Körper sollte nicht so kurz sein, dass er unbalanciert
erscheint.
Beine: stämmige Knochen und gute Muskeln. Die
Vorderbeine sind kürzer als die Hinterbeine. Die Hinterbeine
haben eine substantielle Muskulatur und sollten gerade sein, wenn
man sie von hinten ansieht.
ALLGEMEINE BESCHREIBUNG:
Manx und Cymric haben kurze Vorderbeine, das Hinterteil
ist höher, sie haben eine große Tiefe in den Flanken und einen
kurzen Rücken, der einen glatten durchgehenden Bogen von den
Schultern bis zum runden Rumpf bildet.ZU BESTRAFEN: gerader
Rücken; kurze Hinterbeine, feiner Knochenbau, gebogene oder wie
eine Kuh gebogene (x-beinige) Hinterbeine. |
Der Rücken soll kurz sein.
Eine sehr gefährliche Formulierung, wenn man an die
möglichen Probleme denkt, die es bei der Manx geben kann.
Dazu müssen wir einen kleinen Ausflug in die Anatomie der
Wirbelsäule machen.
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| Atlas |
1. Halswirbel, trägt den 'Schädel |
| Axis |
2. Halswirbel, ist die Drehachse für den 1. Halswirbel |
| Orbit |
Augenhöhle |
| Mandibula |
Unterkiefer |
| Hyoid |
Zungenbein |
| Die Wirbelsäule wird in verschiedene Abschnitte
eingeteilt: |
| Vertebra |
Wirbel |
| Vertebrae cervicales |
7 Halswirbel |
| Vertebrae thoracales |
13 Brustwirbel
Menschen haben 12; hier sind die Rippen
montiert |
| Vertebrae lumbales |
7 Lendenwirbel
Menschen haben 5 |
| Vertebrae sacrales |
3 Kreuzbeinwirbel
Menschen haben 5 |
| Vertebrae coccygeales, der erste Teil der
Vertebrae caudales |
Menschen haben 3-5 miteinander
verschmolzene Wirbel = Steißbein (Coccyx) |
| Scapula |
Schulterblatt |
| Clavicula |
Schlüsselbein, das im Unterschied zum Menschen
"fließend" und frei beweglich ist, sodass die Katze durch jede
Öffnung kommt, durch die ihr Kopf passt |
| Humerus |
Oberarmknochen
Anmerkung: Die Bezeichnung Arme für die Vorderbeine ist
gebräuchlich. |
| Radius |
Speiche, auf der Seite des großen Zehs (innen) |
| Ulna |
Elle, auf der Seite des kleines Zehs (außen) |
| Carpales |
Handwurzelknochen |
| Metacarpales |
Mittelhandknochen |
| Phalanges |
Zehenknochen |
| Sternum |
Brustbein
Der Ausdruck, die Katze hat ein Sternum, um einen Fehler am
Xiphoid zu bezeichnen, ist falsch, denn jede Katze besitzt ein
Sternum. |
| Processus xiphoideus = Xiphoid |
Schwertfortsatz des Brustbeins |
| Bei den Rippen unterscheidet man: |
| Costa |
Rippe |
| Costae verae |
echte Rippen, diese sind am Brustbein mit Knorpel befestigt |
| Costae spuriae |
falsche Rippen, diese sind miteinander verschmolzen und über
einen Rippenbogen mit dem Brustbein verbunden |
| Costa fluitans |
freiliegende (schwimmende) Rippe, die nicht mit dem Brustbein verbunden ist |
| Femur |
Oberschenkelknochen |
| Patella |
Kniescheibe |
| Tibia |
Schienbein |
| Fibula |
Wadenbein |
| Tarsales |
Fußwurzelknochen |
| Metatarsales |
Mittelfußknochen |
Uns interessiert die Wirbelsäule der Manx. Es gibt dazu
Untersuchungen, wie die Wirbelknochen und die einzelnen Abschnitte der
Wirbelsäule bei Manx im Vergleich zu Katzen mit normaler Schwanzlänge
ausgebildet sind.
Bei der Manx gibt es 4 Typen:
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Anzahl der Lumbarwirbel |
Anzahl der Coccygealwirbel |
| Rumpy |
komplett ohne Schwanz,
sie haben auch keine Vertebrae coccygeales (kein Steißbein) |
6,7 |
0 |
| Rumpy Riser |
haben ebenfalls keinen
Schwanz,
sie besitzen jedoch ein Steißbein mit weniger Wirbeln als
normal schwänzige Katzen |
6,9 |
4,4 |
| Stumpy |
haben einen sehr kurzen
Schwanz,
sie besitzen jedoch ebenfalls weniger Steißbeinwirbel und
erheblich weniger Schwanzwirbel |
7,0 |
10,3 |
| Longie |
mit normaler
Schwanzlänge, normaler Anzahl von Steißbeinwirbeln |
6,9 |
19,6 |
| Hauskatzen |
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7,0 |
21,9 |
Bei den Brustwirbeln und Lendenwirbeln gab es keine signifikanten
Unterschiede in der Anzahl der Wirbel.
Aber die Länge der Wirbel selbst unterscheidet sich zwischen den einzelnen
Schwanztypen:
Bei der Länge der Wirbel wurden geschlechtsspezifische Unterschiede
festgestellt.
 | Männchen haben signifikant kürzere Halswirbel, wobei die Stumpy
die kürzeste Länge aufwiesen. |
 | Rumpy-Weibchen haben deutlich kürzere Brustwirbel. |
 | Aber auch die Longie hatten kürzere Brustwirbel als die
Hauskatzen. |
 | Bei beiden Geschlechtern waren die Lendenwirbel deutlich kürzer
als bei Hauskatzen. |
 | Die größten Längenunterschiede gab es beim Steißbein, wobei hier
Stumpy das kürzeste Steißbein hatten. |
Literatur:
Morphological Effects of the Manx Factor in Cats
Morphologische Effekte des Manx-Faktors bei Katzen, in Englisch |
Joyce M. Howell, P.B: Siegel, Journal of Heredity, 1966; 57; 100-104 |
Expressivity of the Manx Gene in Cats
Ausdrucksformen des Manx-Gens bei Katzen, in Englisch |
Roy Robinson, Journal of Heredity, 1993; 874; 170-172 |
Je deutlich kürzer die Wirbel und folglich auch je kürzer die Regionen der
Wirbelsäule waren, umso größer waren die Deformationen, und auch die
Sterblichkeitsrate war signifikant höher.
DAHER:
Es ist eine schlechte Formulierung in Bezug auf die Gesundheit, und
der Manx wird ein schlechter Dienst erwiesen, wenn hier der Standard
einen kurzen, gebogenen Rücken verlangt.
Gucken wir, was andere Organisationen zum Thema Rücken in ihrem
Standard schreiben:
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CFA |
GENERAL:
short back which arches from shoulders to a round rump
BODY:
The short back forms a smooth, continuous arch from shoulders to
rump, curving at the rump to form the desirable round look. Length
of back is in proportion to the entire cat
LEGS and FEET:
forelegs short, Hind legs much longer than forelegs
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ALLGEMEIN:
kurzer Rücken, der von den Schultern bis zum runden Rumpf
einen Bogen bildet.KÖRPER:
Der kurze Rücken bildet einen glatt durchgehenden Bogen von
den Schultern bis zum Rumpf, wo der Bogen am Rumpf noch mehr
gebogen ist, um das gewünschte runde Aussehen zu ergeben. Die
Länge des Rückens ist in Proportion zur gesamten Katze.
BEINE und PFOTEN:
Vorderbeine kurz, Hinterbeine viel länger als die Vorderbeine. |
| FIFe |
General:
the short back and the depth of the flanks are the characteristics
of the ManxBody:
back compact and short but in balance to the body,
ending in a definite broad and round rump
Scale of Points
Back: shortness 10 points
Legs:
front legs short
the hind legs are higher than the front legs forming an angle
from the back to the front of the body |
Allgemein:
Der kurze Rücken und die tiefen Flanken sind das
Charakteristikum der Manx.Körper:
Rücken kompakt und kurz, jedoch in Balance zum
Körper, er endet in einem ausgeprägten breiten und runden Rumpf.
Punkteskala
Rücken: Kurzheit 10 Punkte
Beine:
Vorderbeine kurz, Hinterbeine höher als die Vorderbeine, sie sind
vom Rücken bis zur Vorderseite des Körpers angewinkelt. |
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WCF |
Body:
The back is very short, ending in a rump ideally as round
as an orange.Scale of Points
Back length 10 points
Short front legs, hind
legs are higher than the front legs |
Körper:
Der Rücken ist sehr kurz, er endet in einem runden Rumpf, der
idealer Weise so rund wie eine Orange ist.Punkteskala
Rücken Länge 10 Punkte
Kurze Vorderbeine, Hinterbeine sind höher als die Vorderbeine |
Wie man sehen kann, betonen alle Standards, dass der Rücken kurz
sein muss. Ja, es gibt sogar noch 10 Punkte für die Kurzheit des
Rückens.
 | Bedenkt man die Literatur, wo bereits zu sehen ist, dass die
Wirbel kürzer sind und damit die Regionen der Wirbelsäule ebenfalls
kürzer sind, insbesondere die hinteren 2 Regionen, fördern solche
Standards, dass die Wirbel und die Wirbelsäule noch kürzer werden, weil jeder einen
kurzen Rücken züchtet. |
 | Es wäre sehr viel besser, einen cobby Körper zu
verlangen, der bereits so etwas wie "Kurzheit" implizit enthält, und die
Passagen mit dem kurzen Rücken zu streichen, sowie die 10
Punkte auf die Ausgewogenheit des Körpers zu verteilen. |

Die Vorderbeine sollen kurz sein.
Auch diese Formulierung ist gefährlich, zumal alle Standards auch besonders
stämmige Vorderbeine verlangen.
Will man hier hoppelnde Manx fördern?
 | Es würde bereits ausreichen, wenn man schreibt, dass die
Hinterbeine deutlich kräftiger und länger sind.
Daraus folgt nämlich, dass die Vorderbeine kürzer sind, man lässt
sich jedoch die Option offen, dass die Manx auch mittellange Beine
haben kann, was wahrscheinlich für die Wirbelsäule besser wäre. |
 | Ebenso würde es ausreichen, wenn man schreibt, dass die Beine
einen kräftigen Knochenbau haben. |
Als einzige Organisation verlangt die TICA gerade Hinterbeine und
betrachtet abgewinkelte Beine, wie sie die FIFe verlangt, als Fehler,
was sicher für die Patella nur von Vorteil ist.
 | Angewinkelte Hinterbeine zu verlangen, verlagert das Gewicht des
Rumpfes auf die Knie und belastet die Patella! |

Schlussfolgerungen
Alle Organisationen legen nur Wert auf die äußerliche
Erscheinung, dass die Manx mit ihrem kurzen Rücken möglichst niedlich erscheint.
Ein kurzer Rücken verstärkt das Problem, dass die Wirbel und die
hinteren Regionen der Wirbelsäule ohnehin bereits kürzer sind als
bei Hauskatzen, und fördert, dass noch kürzere Wirbel und
Wirbelsäulen gezüchtet werden, und verstärkt so die Probleme, die
bei der Manx auftreten können.
Angewinkelte Hinterbeine, gemeinsam mit dem gebogenen Rücken,
verlagert das Gewicht in die Knie und belastet damit die Patella
noch mehr.

Fortsetzung folgt: Das Manxsyndrom. © katzenzeitung 4/2008 |
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