informativ - unabhängig - kritisch
Home | Impressum | Disclaimer   
 
  Javascript DHTML Drop Down Menu Powered by dhtml-menu-builder.com
Standard
Augenform
Ohren
Abessinier
Cornish Rex
Standard Perser
Standard Siam
Devon Rex
Kurilean Bobtail
Don Sphynx
Nacktrassen Teil 1
Nacktkatzen Teil 2
Nacktrassen Teil 3
Türkische Katze
Größe-Körperbau Teil 1
Größe-Körperbau Teil 2
LaPerm
Standard Manx
Perser - Alles beim Alten?

katzenzeitung
office@katzenzeitung.eu

 

 

Nacktrassen - Teil 3

Nackte Tiere - Wie hässlich!

Nacktmull    
Alter: mindestens 4 Millionen Jahre    
Mexikanischer Nackthund Peruanischer Nackthund Chinese Crested
Alter: mindestens 3700 Jahre Alter: mindestens 3000 Jahre Alter: mindestens 700 Jahre
Sphynx Don Sphynx Peterbald
Alter: 40 Jahre Alter: 20 Jahre Alter: 20 Jahre

Die Gewohnheit ist ein starker Faktor und trübt so manche Meinung.

Da empört sich die Volksseele. Tiere ohne Haare, das darf es doch nicht geben! Hunde und Katzen müssen doch Haare haben. Das war schon immer so, und muss auch so bleiben!
Den Mull, den kennen wir nicht, den lassen wir gleich außen vor.

Die Gewohnheit lässt uns auch oft an unserer Meinung festhalten, ohne dass wir unsere Vorurteile von Zeit zu Zeit einer Prüfung unterziehen oder sie gar aufgeben.

Aber diese Tiere sind grundhässlich!

Schönheit ist sehr relativ und unterliegt dem Wandel der Zeit und der Mode.

Ein Beispiel:
Heute müssen Frauen schlank sein, im Barock war mollig angesagt. Heute möchte jeder gern die Figur eines Mannequins haben.
Wir bewundern die Bilder von Rubens und Rembrandt und bezeichnen sie als Kunstwerke. Da stören uns die dicken und molligen Frauen mit ihrem überdimensionalen Popo plötzlich nicht mehr.
Bewundern wir die Bilder deshalb, weil sie so alt sind oder weil die Maler angeblich solche Künstler waren oder weil ihre Bilder so hohe Preise erzielen?

Ein anderes Beispiel:
In den 60-ger und 70-ger Jahren war es bei Männern in, lange Haare zu haben. Heute muss Alles nett und adrett sein, und wir bezeichnen Männer mit langen Haaren meist als ungepflegt und unordentlich.
Und trotzdem bewundern wir die Gemälde eines Raffael oder Tizian, wo die Männer lange Haare haben. Und trotzdem bewundern wir die Beatles, obwohl sie lange Haare hatten.
Tun wir das, weil uns alle sagen, dass Raffael und Tizian berühmte Maler sind? Tun wir das, weil uns alle sagen, dass die Beatles Kult sind?

Finden wir diese Tiere hässlich, weil es uns die Mehrheit vorbetet?

Was ist Schönheit?

Hat Schönheit auch etwas mit einem gewohnten Anblick zu tun?
Hat Schönheit etwas mit Natur zu tun?
Hat Schönheit etwas damit zu tun, was uns durch die Medien täglich vor Augen geführt wird?
Hat Schönheit etwas mit dem persönlichen Geschmack zu tun?
Eine philosophische Frage, auf die es in jeder Epoche eine andere Antwort gab.

Sind diese Hunde nicht schön, betrachtet man ihre glatte, glänzende und schimmernde Haut?
Sind diese Katzen nicht schön, deren Haut sich so angenehm weich und warm anfühlt?
Sind diese Hunde und Katzen nicht schön, bei denen man ihre glatte und gut ausgeprägte Muskulatur sieht?
Sind diese Hunde und Katzen nicht schön, bei denen man jede Bewegung, jedes Mienenspiel sieht?

Ist dieser Mull nicht schön, den die Natur so wunderbar ausgestattet hat, dass er sich eine Kolonie im Erdreich mit seinen eigenen Werkzeugen schaffen kann, die Kilometer lang sein kann?
Können wir mit unseren eigenen Händen oder Zähnen ein solch wunderbares Labyrinth schaffen?

Einige interessante Links zum Thema Schönheit:
Beauty is in the eye of the beholder (Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters)
Theories of Beauty to the mid-nineteenth century, Dictionary of the History of Ideas
Face Research

Aber diese Tiere sind wider jede Natur!

Aha, der Nacktmull mit seinen 4 Millionen Jahren ist wider jede Natur, weil er keine Haare hat.
Und trotzdem steht der Nacktmull auf der Liste der schützenswerten Rassen mit der Nummer IUCN 9987. Warum dann? Welchen Nutzen haben wir von diesem Tier?

Müssen Hunde ein Fell haben? Oder sind wir es nur einfach so gewohnt?
Bedeuten mehr als 3000 Jahre Überleben Nichts?
Sind diese Hunderassen nicht ein schützenswertes Kulturgut?
Zählt es Nichts, dass diese Hunde die Hunde der Azteken und Inka waren, deren Bauwerke wir mühsam konservieren und nach deren Städten wir heute suchen?

Müssen Katzen ein Fell haben? Oder sind wir es nur einfach so gewohnt?
Wie können wir entscheiden, dass in Russland natürlich auftretende Mutationen bei uns weniger wert sein sollen und daher bei uns nicht existieren dürfen?
Wie können wir entscheiden, dass in Kanada natürlich auftretende Mutationen bei uns weniger wert sein sollen und daher bei uns nicht existieren dürfen?
Ist es nicht erschreckend und bezeichnend für uns heute, dass wir es wagen, natürlich vorkommenden Mutationen ihre Daseinsberechtigung absprechen zu wollen?
Ruft eine solche Einstellung, über die Daseinsberechtigung und damit auch über Reproduktion und Evolution einfach so entscheiden zu wollen, nicht gewisse Erinnerungen in uns wach an Zeiten, die wir eigentlich schon längst überwunden haben sollten?
Ist es nicht merkwürdig, dass wir über andere Länder und deren natürlich vorkommenden Lebewesen einfach so entscheiden wollen, nur weil wir glauben, nur unsere Sicht der Dinge, der Welt, der Natur, etc. ist die einzig richtige?

Was ist Natur? Was ist natürlich?

Der Begriff Natur wird heute sehr strapaziert, ohne dass wir genau darüber nachdenken, was wir unter Natur und natürlich überhaupt verstehen.
Der Begriff Natur ist sehr mit subjektiven Wert(vor)urteilen belastet, mit dem überfrachtet, was gerade gesellschaftlich, religiös, politisch oder umweltpolitisch-ökologisch in ist.

Natur und Kultur - das vom Menschen unbeeinflusst Auftretende, Vorkommende, nicht vom Menschen Geschaffene und das, was der Mensch aus Natur macht. Nur eine Erklärung, was Natur sein kann.
Ob der Mensch zur Natur gehört, ist Gegenstand Jahrhunderte langer wissenschaftlicher und philosophischer Abhandlungen.

So schreibt A. O. Lovejoy, dass er mindestens 66 verschiedene Bedeutungen von Natur gefunden hat. Oldemeyer schreibt 1983, dass sich im 20. Jh. die Ansicht durchsetzt, dass Natur nicht als Ganzes zu sehen ist, sondern als offenes System, wo auch der Mensch mit seiner Kultur ein Teil davon ist und spricht von integrativem Verständnis.

In der Wissenschaft hat Natur sehr kontroverse Bedeutungen:

bulletNatur wird mit dem Sein identifiziert: "Alles was ist, ist die eine Natur." Diese Position wird in der Philosophie als Naturalismus bezeichnet.
bulletNatur wird als Teil des Seins, oder der Wirklichkeit gesehen und anderen Teilen gegenübergestellt. Andere Teile werden dann oft Kultur oder Geist genannt.
bulletDie Natur wird in ihrer Existenz verneint: "Es gibt keine Natur."

So spricht man von:

bulletNaturwissenschaften, die von sich behaupten, sich mit der Natur zu beschäftigen.
bulletGeisteswissenschaften, die sich mit dem Geist und dem, was über der Natur ist, beschäftigen.
bulletDie Humanwissenschaften zählen sich selbst teils zu den Naturwissenschaften, teils zu den Geisteswissenschaften.

Wenn man sich als Naturwissenschaftler begreift, so begreift man sich als Wissenschaftler, der sich mit der Natur beschäftigt.

Wenn man aber solche Rassen verbietet, dann scheint man sich nur mit einem Ausschnitt der Natur beschäftigen zu wollen oder scheint sich der verschiedenen - oft kontroversiellen - Diskussion, was Natur und was natürlich ist, nicht stellen zu wollen.
Wie kann man bereits nach 40, 20 Jahren ein Urteil über Rassen fällen, die ohne Zutun des Menschen aufgrund einer spontanen Mutation entstanden sind und die sich im Sinne der Evolution noch gar nicht weiterentwickelt haben? Welcher (unreflektierte) Begriff von Evolution liegt dem zugrunde?
Welcher Naturbegriff liegt einem solchen Verbot zugrunde?

Dies ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt von Fragen, die sich einfach ergeben, wenn man sich fragt, wie steht man zu Natur, was versteht man selbst unter Natur, wie will man mit von selbst, ohne Zutun des Menschen auftretenden Mutationen umgehen.

Vielleicht einige interessante Links zu diesem Thema:
in Vorbereitung.

Diese nackten Tiere haben doch so viele Defekte und Probleme.

Kommen wir auf die Problematik zurück, über die wir bereits im 1. Teil und 2. Teil geschrieben haben.

Die nackten Hunde und Katzen sind angeblich anfällig für Sonnenbrand und können schwere Hautverletzungen erleiden.

Zitat aus dem Gutachten zur Auslegung des § 11 des Tierschutzgesetzes vom 02.06.1999, Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht, Hrsg. vom BMELF, Bonn, Januar 2000 (im folgenden kurz als "Gutachten" bezeichnet)
Seite 21:

"Die Hunde haben eine sehr empfindliche Haut (Sonnenbrand, Verletzungen, Fliegenbefall im Sommer, Allergien) und zeigen klimatische Adaptionsstörungen."

Woher und aufgrund welcher Literatur ist man wohl zu dieser Aussage gekommen?
Sieht man sich die Literaturliste in diesem Gutachten dazu an, findet man keinen Artikel zum Thema Sonnenbrand zitiert, um diese Behauptung zu untermauern.

Generell: Der jüngste Artikel, der sich mit Defekten bei nackten Hunden beschäftigt - auch bezogen auf das Datum der Erstellung des Gutachtens, stammt aus dem Jahr 1987, ist also zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens bereits 12 Jahre alt.

Interessant ist, dass die Untersuchungen von Tohru Kimura und Kunio Doi zum Thema Sonnenbrand aus den Jahren 1994 - 1998 nicht angeführt sind. Diese Untersuchungen lagen zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens bereits 4 Jahre vor. Dies hat Etwas mit wissenschaftlicher Korrektheit zu tun.

Kimura T, Doi K: Dorsal skin reactions to sunlight and artificial ultraviolet light in hairless descendants of Mexican hairless dogs.
Exp. Anim. 44(4), 293-299, Oct. 1995
Seite 299:

"Histologically, as reported previously (1994), the dermatological characteristics of hairless dogs are obviously different from those of nude mice and other hairless animals (Anm.: Es wird hier auf die Literatur über nackte Mäuse Bezug genommen).

In conclusion, it was clarified in the present study that the degree of severity of dermatological changes in hairless dogs depended on the kind of UV light source. That is, solar exposure provoked remarkable pigmentation while artificial UV irradiation brought about severe sunburn reaction in the skin of hairless dogs."

In Deutsch:
Histologisch, wie bereits früher berichtet (1994), sind die dermatologischen Eigenschaften bei haarlosen Hunden offensichtlich von denen der Nacktmäuse und anderer nackter Tiere verschieden.

Zusammenfassend konnte in der vorliegenden Studie geklärt werden, dass der Grad der Schwere dermatologischer Veränderungen bei haarlosen Hunden von der Art der Quelle des UV-Lichts abhängt. Das bedeutet, dem Sonnenlicht ausgesetzt zu sein, verursachte eine bemerkenswerte (signifikante) Pigmentierung, die Bestrahlung mit künstlichem UV-Licht verursachte jedoch schwere Sonnenbrandreaktionen in der Haut der haarlosen Hunde.

Ob dies auch für die Nacktkatzen zutrifft, dass deren Haut anders ist als die der Nacktmäuse?

Wird im Gutachten auf haarlose Hunde Bezug genommen, die im Sonnenstudio waren??

Traurig ist nur, dass diese Meinung des Gutachtens auf vielen Webseiten kritiklos und, ohne sie weiter zu hinterfragen, übernommen und verbreitet wird.

Die nackten Hunde zeigen laut Gutachten klimatische Adaptionsstörungen.

Vorab zur sprachlichen Formulierung:
Das Klima selbst hat sicher keine Anpassungsschwierigkeiten, was hier wohl gemeint ist, dass die Hunde Störungen bei der Anpassung an klimatische Verhältnisse oder Veränderungen zeigen.

Die Nackthunde kommen in verschiedenen Kontinenten und unter sehr verschiedenen klimatischen Verhältnissen vor, wenn man ihre Geschichte genau studiert. Siehe dazu Teil 1!

Die Nacktkatzen stammen aus Kanada-Ontario, Amerika-Minnesota, Russland-Rostov-na-Donu und Russland-St. Peterburg und ebenfalls aus sehr unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen. Siehe dazu Teil 2!

Hat man sich bei der Erstellung des Gutachtens die Verbreitung und das ursprüngliche Habitat der nackten Hunde und Katzen angesehen?
Hätten die nackten Hunde tatsächlich Schwierigkeiten mit klimatisch anderen Bedingungen, warum haben sie dann mehr als 3000 Jahre überlebt?

Dies sind nur einige Überlegungen, die das Gutachten in dieser Aussage bereits widerlegen.
Wie sagt man so schön in der Mathematik, eine Aussage ist nur so lange gültig, bis ein einziger anderer Sachverhalt angeführt werden kann.

Reinerbige Nackthunde vererben den semilethalen Defekt, dass die Welpen rund um die Geburt sterben.

Zitat aus dem Gutachten, Seite 21:

"Für das Nacktgen homozygote Tiere sind nicht lebensfähig und sterben perinatal."

Als Literatur werden drei Studien aus den Jahren 1934, 1970 und 1985 angeführt. Die jüngste Studie ist zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens 14 Jahre alt.

Was heißt perinatal?

Definition aus dem Medizinischen Wörterbuch von MedicineNet.com:
Perinatal: Pertaining to the period immediately before and after birth.
The word "perinatal" is a hybrid of the Greek "peri-" meaning "around or about" and "natal" from the Latin "natus" meaning "born."

Das heißt, homozygote Nackthunde sterben rund um die Geburt, also kurz vor der Geburt oder kurz nach der Geburt.

Oder ist hier etwa pränatal gemeint?

Liest man den im Gutachten zitierten Artikel von Robinson, dann kann man hier folgendes lesen:
The Journal of Heredity 76:217-218. 1985
Roy Robinson: Chinese crested dog
Seite 218

"The lethality of HrHr probably occurs prenatally since Chinese crested breeders do not seem to be troubled with extraordinary perinatal anomalies, still-births, or death of young pups."

In Deutsch:
Die Sterblichkeit bei HrHr erfolgt wahrscheinlich pränatal, da die Züchter von Chinese Crested keine Probleme mit ungewöhnlichen perinatalen Anomalien, Totgeburten oder dem Tod junger Welpen zu haben scheinen.

Robinson schreibt also, dass der Letalfaktor pränatal und nicht perinatal ist.
Aus der oben zitierten Aussage des Gutachtens muss man nämlich ableiten, dass zwar lebende Jungtiere geboren werden, diese aber sehr früh sterben. Das impliziert nämlich das Wort "nicht lebensfähig".
Dies zur wissenschaftlichen Genauigkeit des Gutachtens, dass hier tendenziell etwas impliziert wird - so als würden Jungtiere aufgrund irgendwelcher Anomalien kurz nach der Geburt sterben, was in der zitierten Literatur nicht so steht und nicht zu finden ist.

Nackthunde zeigen ektodermale Dysplasien.

Was heißt ektodermal? Was ist eine Dysplasie?

Ektodermal bezieht sich auf das Ektoderm = "das äußere Keimblatt des Embryoblasten der Säuger und des Menschen. Aus ihm geht die Anlage des Zentralnervensystems und der Sinnesorgane hervor, ferner die Haut und ihre Anhangsgebilde".

Eine ektodermale Dysplasie ist eine "erbliche Entwicklungsstörungen aller oder nur einzelner aus dem Ektoderm sich entwickelnder Organe; Fehlbildungen und Funktionsstörungen unterschiedlicher Form, z.B. der Schweißdrüsen oder der Talgdrüsen, der Haut, der Haare (Hypotrichosis), der Zähne, Nase, Augen, des äußeren Ohres; auch Störungen des Geschmacks- und Geruchssinns und Intelligenzdefekte".

Definition aus: Roche Lexikon Medizin, 4.Auflage; © Urban & Fischer Verlag, München 1984/1987/1993/1999. Online Lexikon.

Zitat aus dem Gutachten, Seite 21:
"Nackthunde sind für das Nacktgen heterozygot. Sie zeigen regelmäßig schwerwiegende Gebissanomalien: meist fehlen die Prämolaren (Backenzähne), häufig auch Canini (Fangzähne) oder Incisive (Schneidezähne)."
Zur Bestätigung werden zwei Studien angeführt, eine aus dem Jahr 1971 und eine aus dem Jahr 1974.

Trotzdem gibt es eine neuere Studie, die man in diesem Gutachten ebenfalls hätte anführen müssen:
Monreal AW, Ferguson BM, Headon DJ, Street SL, Overbeek PA, and Zonana J, 1999. Mutations in the human homologue of mouse dl cause autosomal recessive and dominant hypohidrotic ectodermal dysplasia.
Nature Genet 22:366–369.
Dies zur wissenschaftlichen Gründlichkeit.

Mittlerweile konnte ein Gen, das den spärlichen Fellwuchs und Anomalien im Gebiss bei Chinese Crested Dog bewirkt, durch DNA-Analyse markiert werden:

Journal of Heredity 2005:96(7):727–734
Genetic Mapping of Canine Multiple System Degeneration and Ectodermal Dysplasia Loci
Dennis P. O’Brien, Gary S. Johnson, Robert D. Schnabel, Shahnawaz Khan, Joan R. Coates, Gayle C. Johnson, and Jeremy F. Taylor
"Chinese Crested dogs with CED have marked abnormalities of their teeth and hair coat. Their nails, however, appear normal. In dogs, sweat glands occur only on the foot pads. To our knowledge, sweat glands have not been evaluated in dogs with CED.
The ‘‘hairless’’ crosses also have abnormal dentition.
CED controls the distribution of hair on the body but not the characteristics of the hair shaft."

In Deutsch:
Chinese Crested Dogs mit CED haben bestimmte Abnormitäten ihrer Zähne und ihres Fellkleides. Ihre Krallen, wie auch immer, erscheinen normal. Bei Hunden kommen Schweißdrüsen nur auf den Fußballen vor. Nach unserem Wissensstand wurden die Schweißdrüsen bei Hunden mit CED nicht ausgewertet.
Die "haarlosen" Kreuzungsergebnisse haben auch Abnormitäten im Gebiss.
CED steuert die Verteilung der Haare am Körper, nicht jedoch die Eigenschaften des Haarschafts.

Die Studie untersuchte Chinese Crested und Kreuzungen mit Kerry Blue Terrier im Hinblick auf schwere Störungen im Gehirn, die zu Bewegungsstörungen führen, was als Canine Multiple System Degeneration (CMSD) bezeichnet wird und bereits beim Kerry Blue Terrier gefunden wurde. Als Nebenprodukt der Studie konnte das oben zitierte Gen CED lokalisiert werden.

Bevor Sie voreilige Schlüsse ziehen, CMSD hat nichts mit der Nacktheit zu tun. Die Studie wollte untersuchen, ob es Parallelen im Gen-Locus bezüglich der CMSD, wie er beim Kerry Blue Terrier lokalisiert werden konnte, auch bei anderen Hunderassen gibt.

Jede Rasse hat erbliche Defekte - Daher: Alle Rassen gehören verboten.

Abschließend eine generelle Anmerkung:

Je weiter die Wissenschaft, vor allem die DNA-Analyse und die Genomprojekte bei Hunden und Katzen fortschreiten, umso mehr erbliche Defekte werden gefunden. Und dabei ist keine Hunderasse oder Katzenrasse ausgenommen.
Dies ist wie beim Menschen, umso mehr die Wissenschaft erforscht, umso mehr schwere Defekte werden gefunden und die zugehörigen Gene identifiziert.

Und genau daran muss man das Gutachten messen, welches hier nur punktuell einige Defekte herausgreift, und sie irgendwie bewertet, wobei das Klassifikationsschema nicht transparent gemacht wird, daraus sehr schnell Schlüsse zieht und zur einfachsten aller Lösungen greift, nämlich einem Zuchtverbot und dies zur Zuchtregel erklärt.

Es ist immer sehr einfach, ein Verbot auszusprechen, anstelle sich einen Zuchtplan und Zuchtregeln für jede Rasse zu überlegen.

Ebenso behandelt und bewertet das Gutachten Defekte bei den Rassen sehr unterschiedlich, was wissenschaftlich unlogisch ist.
Es werden keinerlei Begründungen gegeben, weshalb ein Defekt bei einer Rasse zum Zuchtverbot führt, bei einer anderen Rasse ein Test empfohlen wird.

Das beste Beispiel für die unlogische und unwissenschaftliche Klassifizierung von Defekten ist die Taubheit:

So rangiert die Taubheit bei den Hunden unter "Weitere monogen vererbte Einzeldefekte und Erkrankungen" im Punkt g unter vielen Punkten (Seite 24), bei den Katzen ist ihr jedoch ein eigenes Kapitel mit mehreren Seiten gewidmet (Seite 39-42).
Merkwürdig!

bulletSind taube Hunde weniger beeinträchtigt als Katzen?
bulletIst das Sozialverhalten zwischen Mutter-Kind anders bei Hunden als bei Katzen?
bulletIst es für die Mutterhündin weniger wichtig als für eine Mutterkatze, das Zierpen ihrer Welpen nicht hören zu können?
bulletGibt es bei Kaninchen keine erbliche Taubheit?

Was bei den Katzen zum Zuchtverbot führt, führt bei manchen Hunderassen zur Empfehlung eines Hörtests, wobei die Dalmatiner unter ferner liefen angeführt werden.
Merkwürdig!

bulletHaben taube Hunde mehr Nutzen als taube Katzen?
bulletHaben taube Hunde noch eine Funktion, d.h. können sie noch irgendwie eingesetzt werden, was bei Katzen nicht der Fall ist?

Die Frettchen z.B., die es sicher zur Zeit der Entstehung dieses Gutachtens bereits als Haustiere gab, kommen in diesem Gutachten als Rasse im Speziellen Teil gar nicht vor.

Fortsetzung folgt.

© katzenzeitung 5/2007


Hier finden Sie eine Internet-Katzenzeitung - unabhängig, informativ und kritisch.


Lesen Sie die Artikel unserer Ausgaben  11/2010, 2/2007-erweitert, 4/2008


Den passenden Katzennamen finden Sie in mehr als 6000 Einträgen unter TopThemen.

© 2007-2011 katzenzeitung - Alle Rechte vorbehalten.


[Home] [Anatomie] [Rassen] [Gesundheit] [TopThemen] [Shows] [Zucht] [Genetik]